Arbeits- und Organisationspsychologie

Forschung

Orientierung gegenüber der Arbeit zu Beginn des Arbeitslebens

Das Projekt untersucht, wie sich die Orientierungen gegenüber dem Arbeitsleben bei jugendlichen Arbeitnehmenden über die ersten Jahre im Beruf hinweg entwickeln und wird vom Schweizerischen Nationalfonds SNF gefördert.

Die Ergebnisse unserer Untersuchungen können Aufschluss darüber geben, wie ein erfolgreicher Einstieg ins Berufsleben und eine positive Entwicklung in den ersten Jahren im Beruf gefördert werden könnten.

 

Hintergrund

Es ist wenig darüber bekannt, wie sich Einstellungen gegenüber der Arbeit bei Jugendlichen Arbeitnehmenden herausbilden und über die Zeit entwickeln. Zudem sind diese Einstellungen durch den gesellschaftlichen Wandel einer kontinuierlichen Veränderung ausgesetzt. Diese Studie untersucht drei Arten von Orientierungen gegenüber der Arbeit und dem Arbeitsleben und verfolgt deren Entwicklung über die Zeit bei Jugendlichen kurz vor dem Einstieg ins Arbeitsleben sowie während der Lehre: Untersucht werden (1) das Engagement gegenüber der Arbeit, (2) die selbstverantwortliche Laufbahn-Orientierung, und (3) die Freizeitorientierung. Unter Engagement gegenüber der Arbeit verstehen wir, wie sehr eine Person das Arbeitsleben als zentralen Aspekt des eigenen Lebens ansieht, sich mit einem bestimmten Beruf identifiziert und bereit ist, sich in einer Arbeitsstelle zu engagieren. Bei der selbstverantwortlichen Laufbahn-Orientierung handelt es sich um die Überzeugung, dass man selber für die eigene berufliche Entwicklung zuständig ist. Dazu kommt die Bereitschaft, die persönlichen Werte und Ziele in der eigenen beruflichen Entwicklung zu verfolgen. Freizeitorientierung bezeichnet die Wichtigkeit, die Personen Lebensbereichen ausserhalb der Arbeit beimessen. Alle drei Einstellungen gegenüber der Arbeit wurden als zentrale Aspekte zur Vorhersage eines erfolgreichen, produktiven Arbeitslebens erkannt.

 

Vorgehen der Studie

Das Projekt führt die Studie "Motivationale Grundlagen der Berufswahl" weiter, welche wir von 2013 bis 2015 durchgeführt haben. In jenem Projekt untersuchten wir die Rolle der Motivation für einen gelungenen Start in das Berufsleben und befragten dazu Schülerinnen und Schüler sowie Lernende über einen Zeitraum von drei Jahren.

Einige dieser Teilnehmenden, insgesamt über 1'200 Jugendliche, wurden 2016 per Post und E-Mail zur Befragung im neuen Projekt zur Entstehung von Arbeitsorientierungen eingeladen.

Gleichzeitig wurden über 1'600 neue Jugendliche an Schulen befragt. Davon waren 502 Oberstufenschülerinnen und -schüler der 9. Klasse und 1'174 Lernende im 1. Lehrjahr.
Von diesen Jugendlichen haben im Jahr 2017 über 1'100 wieder mitgemacht: Die Jugendlichen waren nun grösstenteils im 2. Lehrjahr oder in einer weiterführenden Schule (z.B. Gymnasium).
Insgesamt konnten viele Jugendliche bisher mehrere Male befragt werden: 118 Jugendliche haben bisher fünf Mal an Befragungen im Projekt mitgemacht, 135 Jugendliche haben bisher drei Mal mitgemacht und 988 Jugendliche haben bisher zwei Mal mitgemacht.

2016 haben zusätzlich 247 Eltern und 248 Lehrmeisterinnen und -meister der befragten Jugendlichen an der Befragung teilgenommen.

Im Herbst 2018 wird die voraussichtlich letzte Befragung stattfinden.

 

Aufbau und Inhalt der Befragung

Die Untersuchung wird primär mittels Online-Fragebogen durchgeführt. Die untersuchten Merkmale, wie zum Beispiel die Unterstützung, welche die Jugendlichen von Familienmitgliedern, Freunden und Institutionen für den Einstieg in das Berufsleben erhalten, erheben wir anhand von Skalen, die sich in anderen Forschungsprojekten bereits bewährt haben. Da diese Teilnehmenden bereits in der Lehre sind, kommen in ihrer Version der Befragung noch weitere Fragen zu Beruf und Ausbildung hinzu. Die Orientierungen gegenüber der Arbeit - zentral in diesem Forschungsprojekt - befragen wir jedoch bereits bei den Schülern und Schülerinnen.

 

Auswertung und Nutzen der Studie

Alle Angaben im Fragebogen werden streng vertraulich behandelt und ausschliesslich für Forschungszwecke ausgewertet. Die Auswertungen erfolgen anonym und es werden keine Rückschlüsse auf Einzelpersonen möglich sein.

Die Resultate der Studie werden in Form von wissenschaftlichen Publikationen und Präsentationen einem internationalen Fachpublikum vorgestellt. Die Fragestellungen des Projekts und die erhobenen Daten ermöglichen neue Erkenntnisse zur Entwicklung von Orientierungen gegenüber der Arbeit im Jugendalter und können zu einem besseren theoretischen Verständnis von Motivation, Berufswahl, und Berufsausbildung führen. Wir möchten mit der Untersuchung zudem die Entwicklung von neuen Lehrmitteln für den Berufswahlunterricht in Schulen sowie von neuen Beratungsinstrumenten für die Berufsberatung anregen.

 

Kontakt

Bei Fragen oder Anregungen zum Projekt können Sie sich jederzeit mit Prof. Andreas Hirschi (andreas.hirschi@psy.unibe.ch) oder Rebekka Steiner (rebekka.steiner@psy.unibe.ch, 031 631 52 78) in Verbindung setzen.